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(Quelle: www.spiegel.de 08/2006; vollständiger Artikel)
wörtlichem Sinn. Viele Firmen entlassen Mitarbeiter, andere schaffen nur Schreibtische und Stühle auf den Sperrmüll. Schick, platzsparend, günstig: So soll das Büro der Zukunft sein.
Büroraum ist teuer. Deshalb müssen ihn sich Schreibtischarbeiter immer häufiger mit ihren Kollegen teilen. Mo bis Fr von 9 bis 17 Uhr am gleichen Platz - das ist der Klassiker, aber es geht auch anders. Das Arbeitsleben stellt hohe Ansprüche an die Arbeitnehmer: Mobil sollen sie sein, flexibel, zu jeder Tag- und Nachtzeit verfügbar, um rund um den Globus Geschäfte abzuwickeln. Team- und Projektarbeit sind in vielen Branchen die Regel und lösen das Einzelkämpfertum ab.
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Von ihnen sitzen nach einer Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) nur 39 Prozent ständig am Schreibtisch. 38 Prozent haben zwar ein eigenes Büro, sind aber mehr als die Hälfte ihrer Zeit unterwegs.
Die verbleibenden 22 Prozent haben keinen eigenen Schreibtisch, arbeiten auf Reisen, zu Hause und an wechselnden Tischen in der Firma.
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Nach purem Kostenkalkül von Unternehmen müsste der Anteil der Arbeitsplatz-Wechsler deutlich steigen. Denn warum sollen Firmen Miete und Einrichtung bezahlen für Büros, die nur zur Hälfte ausgelastet sind? Wer beruflich viel unterwegs ist, wird sich darauf einstellen müssen, dass er im Büro keinen festen Platz mehr hat. Und, wenn er in der Firma ist, dort arbeitet, wo gerade Platz ist - Desk-Sharing heißt das Konzept. ...
Müssen die Angestellten flexibler werden, gilt das für die Büromöbel erst recht. Einen Schreibtisch, an dem jeden Tag ein anderer Kollege Platz nimmt, muss man an die Körpergröße anpassen können - höhenverstellbare Tische und Stühle sind damit Pflicht. Auch die Aktenschränke verschwinden oder schrumpfen: Wer heute am einen und morgen am ganz anderen Ende des Raums arbeitet, tut gut daran, wichtige Dokumente digital zu lagern und Papierakten auf das absolut Nötigste zu beschränken.
Mit den Urlaubspostkarten an der Wand und der Überraschungsei-Figur auf dem Monitor ist dann auch Schluss - denn der Kollege, der morgen am gleichen Platz sitzt, findet das vielleicht eher störend. Die persönliche Dekoration spiele für das Wohlbefinden der Mitarbeiter aber nur eine untergeordnete Rolle, so die Studie des IAO: Wichtig sei vor allem, dass sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizierten und die Büroeinrichtung zum Unternehmen passe.
Dennoch: Wer seiner Belegschaft den eigenen Schreibtisch nimmt, muss den Verlust ausgleichen. Wenn die Mitarbeiter sich an ihrem Platz nicht mehr häuslich einrichten können, müssen Büroraumplaner eine angenehme Atmosphäre schaffen, freundliche Farben nutzen, Kunstwerke aufhängen, Pflanzen aufstellen, vielleicht sogar Feng-Shui-Regeln einbeziehen.
... sagt der Designer W. Aisslinger, Professor an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung. Aus diesem Grund haben sich die Entwickler von Büromöbeln in den letzten Jahren zunehmend vom kalten Minimalismus des Jahrtausendbeginns verabschiedet und präsentieren nun Einrichtungen mit üppigen floralen Mustern und Ornamenten. Warme, weiche Materialien wie Filz, Kork und Holz gewinnen die Oberhand über Kunststoff und Metall.
Auch Ruhezonen für die Mitarbeiter würden künftig eine größere Rolle spielen, so Aisslinger. Und die engen Teeküchen in den Unternehmen werden vorausschauende Büroplaner ausbauen: Für eine Generation von Menschen, die einen Großteil ihrer Arbeit zu Hause oder unterwegs erledigen, ist es um so wichtiger, in der Firma den Kontakt zu den Kollegen zu pflegen ...
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